Privat

Als das Leben endete – Zwei Jahre

Hallo ihr Lieben,

ich muss heute mal ein wenig Gefühle raus lassen. Oder eher jede Menge. Und euch erzählen, was genau heute vor zwei Jahren passiert ist. Es ist eine Erinnerung die nun seit Wochen in meinem Kopf umher geistert. Die mich einfach nicht los lässt und mich leider gleichzeitig immer weiter in ein Loch zieht, in dem ich nicht mehr sein kann und will. Ich versuche immer noch “weiter zu leben”. Obwohl ich weiß, dass ich dies nie wieder tun werde und kann. Egal wie sehr ich dafür kämpfe. Ich kann es ruhig stellen. Mit Medikamenten. Mit ignorieren. Und vielleicht gibt es noch etwas, dass ich nicht getestet habe, aber wirklich helfen wird nichts.

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Leben – Heute vor zwei Jahren

Heute vor zwei Jahren war der Tag unsrer Diagnose.
Gehirntumor.
Ich erinnre mich an diesen Tag. Leider viel zu gut. Ich erinnere mich, wie mein Mann damals zusammengebrochen ist. Wie mich der Arzt angesehen habe. Wie meine einzigen Fragen sich um Parkgebüren und Evas schulische Ausbildung drehte.
Und wie Eva gesagt hat:

I am okay. I am just tired.

Ich höre diese zwei Sätze nun seit Wochen. Jede Nacht. Ich höre sie fragen “Mama, kann ich sterben?” Ich sehe die Krankenschwester bei dieser Frage weinen. Es gibt so viele Sachen, die ich bereue. So viel, was ich hätte anders machen können. Anders machen sollen.
Jedenfalls in meinem Kopf.

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Ich habe einfach das Gefühl, versagt zu haben. Eva enttäuscht zu haben. Nicht alles getan zu haben. Im Grunde stimmt das alles nicht wirklich. Ich hätte nicht viel ändern können. Der Tumor gehört zu der seltensten Art, die nie irgendwer erforscht hat. Die Prozente waren uns klar.

Ich fühle mich wie eine Versagerin

Trotzdem kann ich an all den schlimmen Gedanken nichts ändern. Ich kann nur noch schauspielern. Nur noch so tun, als wäre ich ansatzweise okay, weil niemand den ich kenne mit der Wahrheit umgehen kann. Könntet ihr mich gerade jetzt sehen…

Ich liege im Bett. Kopfhörer auf. Und ich weine. Es ist nicht das typische “schöne Hollywood weinen”. Gott, dass beherrsche ich nicht mal. Es ist eher die Art von Weinen, wo man einfach nichts mehr sieht. Seltsame Geräusche von sich gibt und einfach zusammen bricht.

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Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Uns war von diesem Tag von vor zwei Jahren klar, dass wir Eva verlieren werden. Es ändert leider nichts an den Gefühlen. Evas “Gefühlsrad” an ihrer Kinderzimmertür zeigt immer noch auf “traurig”. Sie hat es an meinem Geburtstag 2018 geändert. Mit den Worten

Ich bin traurig, weil wir an deinem Geburtstag ins Krankenhaus müssen. Ich ändere das erst wieder, wenn wir wieder zu Hause sind.

“Zu Hause” ist nie wieder passiert.

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2 Comments

  1. Es tut mir so leid. Ich kann nicht ansatzweise verstehen, wie hart es ist ein Kind gehen zu lassen. Es ist allerdings eine meiner größten Ängste. Ich denke oft an dich, auch wenn ich dieses nicht jedes Mal schreibe.
    Viele Grüße,
    Mel

  2. Ich hab die letzten Jahre nicht kommentiert, nur hier und da gelesen und oft schnell wieder abgebrochen – weil ich geheult habe, so wie ich jetzt heule.
    Und noch viel schlimmer, weil ich meine Kinder angesehen habe und mich endlos mies und schlecht fühlte, weil ich wusste, meine Tränen sind bald vorbei, weil ich wusste, ich hab meine Kinder und da ist jemand, der seines nie wieder in den Arm nehmen kann und darf und das fühlt sich wie Verrat an…

    Und jetzt sitz ich hier und tippe und würde gerne Irgendwas sagen, was den Schmerz nehmen kann, tröstende Worte und weiss, dass es sie nicht gibt.
    Ich würde dich gerne in den Arm nehmen und dich einfach weinen lassen und weiss, dass es nichts helfen würde.
    Ich würde gerne was Liebes, Tolles sagen und weiss, dass es nichts gibt.

    Du bist so eine wundervolle, liebe, starke Frau.
    Ich wünsche mir, dass du irgendwann wieder das Lächeln lernst, schöne Momente erleben und auch geniessen kannst, auch wenn es so unvorstellbar klingt.

    Der letzte Absatz mit dem Gefühlsrad hat mir den Rest gegeben – und eine Stimme in mir sagte, dreh das Rad auf glücklich, da deine Kleine nun an einem schöneren Ort ist, ohne Leiden, ohne Schmerzen, ohne Ängste und ohne Sorgen – ob ich das selber könnte, ich glaube nicht…

    Aber du hast nicht versagt und es bricht mir das Herz, zu sehen, dass du das denkst. Dass du an dem Gefühlsrad vorbeigehst und denkst, sie ist traurig von euch gegangen.
    Du hast Alles getan und mehr, du warst stark, wenn Andere zusammengebrochen wären, du hast durchgemacht, was Andere zerbrochen hätte…

    Du bist die stärkste Person der Welt und glaube mir, Eva ist das glücklichste Kind der Welt, so eine tolle, starke Mama zu haben.

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