Medra Pendragon, die letzte Drachenreiterin ihrer Welt, wird an die Bloodwing Academy verschleppt – eine Schule, in der mächtige Vampire regieren und Seuchengeborene wie sie nur Schachfiguren sind. Doch das düstere Schloss birgt noch düsterere Geheimnisse und auch Medra trägt ein gefährliches Erbe in sich, das sie zur Zielscheibe werden lässt. Und dann ist da noch Blake Drakharrow, ein ebenso arroganter wie gutaussehender Vampir. Zwischen tödlichen Wettkämpfen, Verrat und Liebe muss Medra entscheiden, wer sie sein will. Opfer oder Kämpferin ...

Düsterer Einstieg in eine blutige Welt

Mit On Wings of Blood von Briar Boleyn eröffnet sich eine Welt, die sofort mit ihrer kompromisslosen Härte und düsteren Atmosphäre fesselt. Die Geschichte beginnt eindrucksvoll. Die Protagonistin Medra erwacht auf einem Leichenhaufen in einer fremden Welt, beherrscht von Vampiren und durchzogen von Gewalt und Machtspielen. Bereits diese Szene setzt den Ton für das gesamte Buch und etabliert ein Setting, das stark von Dark Academia, Vampire, Magie und Intrigen geprägt ist.

Die Autorin schafft es, die Leser direkt in die Handlung hineinzuziehen. Die Mischung aus Fantasy, Romantasy und düsteren Elementen funktioniert erstaunlich gut, auch wenn die Welt stellenweise bewusst überladen wirkt. Gerade diese Intensität sorgt jedoch dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Die Atmosphäre ist dicht, manchmal fast erdrückend. Aber genau das macht ihren Reiz aus.

Figuren zwischen Stärke und Abhängigkeit

Im Mittelpunkt steht Medra Pendragon, eine komplexe Protagonistin, die zwischen Stärke und Verletzlichkeit schwankt. Als ehemalige Drachenreiterin und Außenseiterin in einer von Vampiren dominierten Gesellschaft muss sie sich ständig behaupten. Ihre Entwicklung ist einer der stärksten Aspekte des Romans, denn sie ist keine klassische Heldin, sondern eine Figur mit Ecken, Zweifeln und inneren Konflikten.

Besonders hervorzuheben ist die Beziehung zu Blake Drakharrow, die das bekannte Enemies-to-Lovers-Motiv aufgreift. Diese Dynamik sorgt für Spannung, aber auch für Kontroversen. Tatsächlich bewegt sich die Geschichte hier bewusst auf einem schmalen Grat zwischen Romantik, Machtgefälle und emotionaler Abhängigkeit.


Nebenfiguren wirken auf den ersten Blick weniger präsent, entfalten jedoch bei genauerem Hinsehen mehr Tiefe, als man zunächst vermuten würde. Sie sind sinnvoll in die Handlung eingebunden und tragen nicht nur zur Atmosphäre, sondern auch zur Entwicklung der Hauptgeschichte bei. Dadurch gewinnen sie im Verlauf zunehmend an Bedeutung und bleiben durchaus im Gedächtnis. Dennoch liegt der Fokus klar auf Medra und Blake.

Weltbau und Handlung: Faszination und Überforderung

Die Welt von On Wings of Blood ist ambitioniert konstruiert. Vampire herrschen über eine Gesellschaft, in der sogenannte „Seuchengeborenen“ unterdrückt werden, während Drachen nur noch als Mythos existieren. Diese Kombination aus Drachen, Vampirreich, Geheimnissen und politischer Spannung sorgt für ein faszinierendes Setting.

Allerdings ist der Worldbuilding-Ansatz nicht immer leicht zugänglich. Die Vielzahl an Begriffen, Regeln und Hintergrundinformationen kann anfangs überwältigend wirken. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird mit einer vielschichtigen Welt belohnt, die nach und nach ihre Geheimnisse offenbart.

Die Handlung selbst lebt von Tempo und Wendungen. Immer wieder sorgen Cliffhanger und überraschende Entwicklungen für Spannung. Das Buch abends zur Seite zu legen, was manchmal wirklich nicht leicht. Gleichzeitig leidet der Roman stellenweise unter einem unausgeglichenen Pacing. Manche Passagen ziehen sich, während andere zu schnell abgehandelt werden. Dennoch bleibt die Geschichte insgesamt packend, vor allem durch ihre konsequent düstere Grundstimmung.

Fazit: Packend, kontrovers und nicht für jede:n

On Wings of Blood ist ein Roman, der polarisiert. Für Fans von düsterer Fantasy Romance, Academy-Settings und emotional intensiven Geschichten bietet er ein fesselndes Leseerlebnis. Die Kombination aus Spannung, Gefühlen, Machtspielen und übernatürlichen Elementen macht das Buch zu einem typischen Vertreter moderner Romantasy.

Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass nicht alle Aspekte uneingeschränkt überzeugen. Die Beziehung zwischen den Hauptfiguren ist bewusst problematisch angelegt und kann irritieren oder sogar abschrecken. Auch der komplexe Weltbau verlangt Geduld. Für alle, die sich unsicher sind, gib es am Ende des Buchs eine Liste mit Triggerwarnungen.

Wer jedoch bereit ist, sich auf eine dunkle, teilweise brutale Geschichte einzulassen, wird mit einem intensiven Auftakt belohnt. Das Buch ist kein leichtes Fantasy-Abenteuer, sondern ein emotional aufgeladenes Werk voller Geheimnisse, Gefahr und innerer Konflikte.

Insgesamt ist On Wings of Blood ein gelungener, wenn auch nicht perfekter Start in eine Reihe, die vor allem durch ihre Atmosphäre und ihre ambivalenten Figuren im Gedächtnis bleibt.

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