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Erziehung? Irgendwie ist das seltsam

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. – Socrates

So hat sich Socrates damals ausgedrückt. Zu seiner Zeit. Wer hätte gedacht, dass das heute auch zu 100% zutreffend ist?

Ich habe in den letzten paar Schulwochen wieder einiges kurioses erlebt und muss es mir von der Seele schreiben. Immer wieder stehe ich nur kopfschüttelnd da und frage mich: Wo sind die Eltern, die diese Kinder eigentlich erziehen sollten? Ich sage nicht, dass alle Eltern schlecht sind. Ich kenne sehr viele, sehr gute Eltern! Aber dann gibt es da so ein oder zwei, wo ich das Gefühl habe, die interessiert es nicht, was ihre Kinder tun.

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[Tweet “Erziehung der Neuzeit – Irgendwas läuft hier falsch! #Erziehung #SagauchmalNein”]

Fangen wir mal relativ weit vorne an. Nämlich letztes Jahr. Unsere 6-jährige Tochter ist relativ selbstständig. Sie ist gerne mit Freunden alleine unterwegs, spielt hier auf unseren Spielstraßen und dem nahegelegenen Spielplatz. Das ist auch soweit okay für mich, denn sie sind immer in Gruppen und mein Kind weiß, dass sie nicht mit fremden Menschen reden soll. Da habe ich also absolutes Vertrauen in sie. Aber letztes Jahr ist etwas passiert, was mich etwas erschrocken hat. Es gibt da dieses eine Kind in unserer Klasse. Ständig ist er alleine unterwegs, läuft durch sämtliche Ortschaften, auch wenn das mal ein Weg von 2km ist. Jedenfalls waren die beiden mit einigen anderen aus der Nachbarschaft unterwegs. Der Plan war: Wir gehen im Garten bei ihm Fußball spielen und vielleicht zum Spielplatz. Okay, alles klar. Das kann ich nämlich hören, weil es um die Ecke ist und wir sehr behütet wohnen. Doch dann war es 17 Uhr. Zeit nach Hause zu kommen. Ich gehe also mein Kind abholen. Was stelle ich fest? Mein Kind ist nicht am Spielplatz. Und nicht im Haus besagten Freundes. Der Bruder wusste nicht, wo sie sich aufhalten und die Mutter war nicht zu Hause. Joa. Schockmoment oder?

Ich also meinen Mann geholt, ins Auto und mal durch den Ort gefahren. Kind nicht gefunden. An der Schule standen dann ein paar Kids, die meine Tochter kannten und haben mich dann zu ihr gebracht. In eine Nachbarschaft, die mein Kind alleine nicht betreten soll, denn dazwischen ist eine große Straße. Die Regel im Haus lautet: Unsere Nachbarschaft, bis zum Spielplatz und NICHT weiter! Ja, aber was wenn die Freunde woanders hin wollen? Dann geht man natürlich mit. Verstehe ich irgendwo, aber diese Freunde waren ja nicht mal mehr dabei. Die waren verschwunden, weil sie sich verkracht hatten.

So, seitdem mag ich besagten Jungen eher weniger. Das Vertrauen ist dort einfach weg und das Spielen ist eingeschränkt worden. Dann kam aber das Schulfest. Auf einmal steht besagter Junge ohne Hose und Unterhose vor anderen Kindern und wedelt mit seinem “ihr wisst schon was” vor deren Gesichtern rum, nur um kurz danach in den Sandkasten zu pinkeln. Joa… Die Mutter war vor Ort. Hat aber nichts gesehen. Sie hat ihr Kind quasi ignoriert, wie so oft, wenn sie bei mir anruft oder ihre ältern Söhne vorbei schickt und fragen lässt, wo ihr Kind denn ist.

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So geht das seit Wochen. Immer wieder etwas neues. Ohrfeigen vom feinsten – besagter Junge bei anderen Kindern (ich hab es sogar selber schon gesehen), lügen, schreien, schubsen. Null Respekt vor mir als Elternteil.

Ein “Nein” in der Erziehung kann durchaus hilfreich sein!

Da frage ich mich doch: Was machen die Eltern? Was läuft falsch, dass Kind sich so verhält? Mein Kind hat ihren Freiraum, den sie als 6 jährige eben nun mal einfordern darf. Aber Nein, ist auch nein. Nein, heute gehst du nicht alleine raus. Nein, da herrscht nun Spielverbot. Ich finde ein Nein kann einen sehr weit bringen in der weiteren Erziehung. Das Leben ist kein Zuckerschlecken und man kriegt nicht immer alles, was man haben will.

Luxusgesellschaft hin oder her: Erziehung muss sein und sie muss von den Eltern kommen! Nicht von den Geschwistern, nicht von Freunden und definitiv nicht vom Fernseher. Vertrauen ist super. Ja, lasst eure Kinder auf sicheren Straßen auch mal alleine spielen, aber bringt ihnen bei, dass sie euch trotzdem respektieren und vorallem: Das sie eure Regeln respektieren!

Ich finde es einfach furchtbar Briefe von der Schule zu kriegen, wo drin steht, dass die Gewaltbereitschaft auf dem Schulhof der Grundschule so hoch geworden ist, dass Kinder gut und gerne mal für 14 Tage vom Unterricht ausgeschlossen werden können. Wieso sind die Kinder in diesem Alter schon so aggressiv?

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Dann kommt hinzu, dass Sachen geklaut oder kaputt gemacht werden. Warum? Ich weiß es nicht. Uns fehlen zwei Jacken. Die sind alle mit Namen versehen und trotzdem vom Haken weg genommen worden. Nicht verhängt oder so. Wir haben gesucht. Sie sind einfach weg. Einer befreundeten Mutter ist das ebenfalls passiert. Die Jacke ihres Sohnes hat sie dann zufällig an einem anderen Kind gesehen, der sie an hatte und diese log sie auch noch an. Auch hier stand der Name in der Jacke und siehe da: Es war tatsächlich die verschwundene Jacke.

Wissen unsere Kinder eigentlich noch, was Respekt ist?

Wo ist der Respekt hin? Wo sind Bitte und Danke? Das Aufstehen, wenn ein älterer Mitbürger in Bus oder Bahn steigt und kein Platz mehr frei ist? Ich wurde dazu erzogen Respekt vor älteren Menschen und autoritätz Personen zu haben. Genau das bringe ich meinem Kind auch bei!

Helft mir mal aus hier. Bin ich einfach zu ängstlich? Sehe ich das alles viel zu eng? Wie läuft es denn bei euch auf dem Schulhof ab oder mit den Freunden eurer Kinder?

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9 Comments

  1. Das hab ich zu meiner Schulzeit schon gemerkt. Ich bin meiner Meinung mit einer sehr guten Erziehung aufgewachsen. Ich kannte meine Freiheiten, es gab aber auch Regeln einzuhalten. Die Jüngeren wurden immer aggressiver und unerzogener. Keine Ahnung was da in der Erziehung faksch gelaufen ist, aber Erziehung haben die nicht genossen.

    Lg Lisa

  2. Jana says:

    Ich bin keine Mutter, aber ich bin ja selber mal erzogen worden. Ich finde du hast da absolut recht. Damals gab es auch schon solche Kinder, aber es scheint immer mehr zu werden. Natürlich liegt sowas nicht immer nur an der Erziehung (Trotzphasen etc.), aber doch schon sehr. Man sollte durchgreifen, aber natürlich so, dass das Kind es versteht (kein brüllen oder schlagen natürlich). Kinder brauchen Grenzen um unsere Gesellschaft zu verstehen und das müssen die Eltern ihnen beibringen. Gar nicht auszudenken was alles passieren kann, bei deinen Beschriebenen szenarien. Ein Mittelding aus Freiheiten und klaren Regeln finde ich den Besten Weg.

    1. Anna says:

      Ich auch. Klar, sie müssen alleine selbstständig werden, aber das geht nur, wenn sie sich das Vertrauen der Eltern erarbeiten.
      Das muss man für die Arbeitswelt lernen oder für Beziehungen im späteren Leben. Vertrauen ist wichtig. Ohne Kontrolle.

  3. Zuerst muss ich natürlich sagen, dass ich noch keine Kinder habe und daher nicht sagen kann wie man es am besten macht, damit die Kinder all die Werte lernen, die ich so wichtig finde.
    Ich sehe aber auch immer mehr Kinder und die Eltern dazu, wo ich mich frage ob man das überhaupt Erziehung nennen kann? Oft habe ich das Gefühl, dass das Kind macht was es will und die Eltern nach der Nase des Kindes tanzen oder den Weg des geringsten Widerstands gehen.

    Ich bin froh, dass meine Eltern mir beigebracht haben ein freundlicher Mensch zu sein, der bitte und danke kennt. Das geht sogar so weit, dass ich mit kleinen Dingen wie Spicken oder Notlügen um eine Überraschung vorzubereiten Probleme habe – irgendetwas in meinem Kopf wehrt sich gegen das falsche Verhalten ^^ ich hoffe sehr, dass ich das meinen Kindern auch mal so mitgeben kann.
    Auch “Kann ich Ihnen (nicht dir ^^) helfen?”, “möchten Sie hier sitzen” und das Helfen im Haushalt sind wichtige Dinge, die ein Kind lernen sollte.

    Liebe Grüße,
    Annika

    1. Anna says:

      Hallo Annika,

      danke erstmal für deinen Kommentar.
      Es ist an sich relativ einfach ein Kind zu erziehen, welches höflich ist. Man sollte da auch selber höflich sein.
      Man muss es vorleben und dem Kind Grenzen aufzeigen. Ansonsten geht das ganz schnell nach hinten los mit dem Respekt.
      Bei uns im Haushalt ist es so, dass ich dem Kind nie bestimmtend und von oben herab sage, dass sie doch das und das machen soll. Es heißt immer “Bringst du bitte den Müll raus?” oder “Holst du mir mal bitte das und das.” Und dann sage ich auch immer Danke, wenn sie es getan hat. Das ist der erste, einfache Schritt zu einem respektvollen Kind.
      Deswegen habe ich auch soviele Fragen zu dem Thema. Denn an sich ist es doch einfach jedenfalls ein einigermaßen freundliches Kind zu erziehen.

  4. Hallo Annika, vorab sei erst einmal gesagt: Ich selbst habe keine Kinder, werde mich also hüten, irgendwelche Erziehungsempfehlungen auszusprechen oder das eine oder andere falsch richtig zu deklarieren. Aber was mir beim Lesen aufgefallen ist: Ist es wirklich so anders als früher? Ich bin 44 Jahre alt. Man kann also locker von zwei Generationen sprechen, seit ich selbst in der Grundschule war. Und diese “unerzogenen” Kinder, wie der Knabe ohne Hosen, die gab es auch zu meiner Zeit schon. Ein Mitschüler bei mir in der 1. – 4. Klasse damals hatte massive Probleme mit Aufmerksamkeit, er schlug, kratzte und biss die Lehrerin, die Eltern wurden geschieden, die Mutter sah immer aus, als würde sie gleich zusammenbrechen, der Vater strotzte vor Überheblichkeit. Dieser Junge hatte sicher kein einfaches Leben, seine Eltern auch nicht, was aus ihm und ihnen geworden ist, weiß ich auch nicht. Aber ich glaube, dass es kein Phänomen der heutigen Zeit ist, dass sich manche Eltern nicht kümmern. Im Gegenteil, das Phänomen sind ja eher die Helikopter-Eltern, die ihre Sprösslinge überhaupt nicht mehr aus den Augen lassen. Die gab es meiner Meinung nach früher eher selten. Aber die Kids, die aufgrund fehlender Erziehung schlechte Manieren an den Tag legen? Die gab es glaube ich schon immer. Wichtig ist da einfach nur, den eigenen Kindern den Unterschied zwischen richtigem und schlechtem Benehmen beizubringen, und da bist du glaube ich auf einem sehr guten Pfad!

    1. Anna says:

      Ich klinke mich mal ein Mona 😀
      Natürlich gab es die früher auch. Nur finde ich es zur Zeit echt extrem.
      Wie ich teilweise angesprochen werde auf dem Schulhof. Wieviel Gewalt, und ich meine ernste, krankenhausreife Gewalt, kleineren Kindern
      gegenüber herrscht und wieviel Druck von den ältern Klassen ausgeübt wird, erscheint mir definitiv sehr viel mehr.
      Die erste Schulwoche verlief quasi so: Mein Kind wurde auf dem Schulhof in eine Ecke gedrängt und ich höre den Jungen nur sagen: “Du wolltest doch nett sein”.
      Ja nett… Wie nett? Was für ein nett? Das war schon sehr krass.

  5. Ich says:

    Ein Nein schafft keinen Respekt. Respekt bekommt man indem man ein Vorbild ist. Indem man vertrauen schafft und vertrauen bildet.
    Anna wann ist das richtige Alter erreicht, wo deine Tochter über die Straße darf? Mit 10? 15?
    Die verhaltensgestörten Kinder gab es schon immer wie wir wissen. Doch kann man die Kinder verantwortlich machen? Nein, denn es fehlt an der Erziehung also sind die Eltern Schuld. Dennoch sollte man Kinder in dem Alter Kinder sein lassen. Hausarrest ist meiner Meinung nach die dümmste Strafe die es gibt. Spielverbot? Quatsch. Vertrau dem Kind und trau ihr auch mal was zu.
    Ich habe selber zwei Töchter, die große kommt nächstes Jahr in die 5. An den bisher besuchten Schulen kann ich aber weder erhöhte Gewaltbereitschaft, noch andere schlimme sachen erkennen. Ich sehe aber, das den Kindern heute mehr abverlangt wird als bei uns früher. Mein Erziehungstipp für dich. Immer locker bleiben auch mal durch die Hose atmen.
    Entspannung ist wichtig.

    1. Anna says:

      Hallo Du,
      übrigens sehr toll, nicht mal einen richtigen Namen zu kennen 😉
      Immerhin stehe ich mit meinem Namen zu meiner Meinung.
      Aber um mal auf deine Sachen einzugehen.
      Es geht darum: Es gibt bestimmte Regeln in diesem Haus. Dazu zählt, die Nachbarschaft nicht zu verlassen.
      Die Nachbarschaft ist groß genug, als das man nun wirklich noch weiter weg müsste. Es gibt hier alles, was
      ein 6-jähriges Kind braucht. Freunde, Spielplatz, Spaß. Dazu muss man nicht ohne das Wissen der Eltern noch
      weiter weg gehen. Würde es mir gesagt werden, wäre es kein Problem. Aber das war eben nicht der Fall.

      Ich traue meinem Kind sehr wohl, sehr viel zu. Sie hat genügend Freiheiten. Für eine 6 Jährige.
      Sie darf alleine zur Schule, darf alleine zum Jugendzentrum (was übrigens auf der anderen Seite der besagten Straße liegt),
      aber das geht nur, wenn ich ihr vertrauen kann, dass sie dort bleibt, wo sie hin wollte.
      Pläne ändern sich. Spontan sein ist okay. Dann ruft man an oder kommt den kurzen Weg nach Hause und sagt bescheid.
      Ansonsten kann ich ihr ja nicht vertrauen oder? Einfache Regeln einhalten. Mehr verlange ich nicht.

      Wenn du deine Töchter anders erziehst, ist das vollkommen okay.
      Aber ich weiß nun mal gerne, wo meine Tochter sich befindet.
      Und ja, die Gewaltbereitschaft herrscht. Der Brief liegt zu Hause, falls ich ihn dir ab fotografieren soll.
      Oder aber: Komm vorbei. Schau zu, wie ein Kind mit dem Kopf zu erst in die Heizung geschubst wird. Vielleicht wohnst du einfach in einer Gegend wo Gewalt kein Thema ist. Hier ist es das durch aus. Leider.

      Schönen Abend noch und als Tipp: Demnächst mit Namen. Denn wenn schon diskutieren, dann doch bitte richtig und mit einer Person, die ich als solche ansehen kann.

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