Medra dachte, dass das Überleben ihres ersten Jahres in den tödlichen Hallen von Bloodwing schon eine Heldentat wäre – doch sie hat sich geirrt. Denn mit einem einzigen Fehler hat sie ein uraltes Wesen geweckt: einen Drachen. Plötzlich steht sie im Zentrum eines Machtkampfes zwischen den Hochbluthäusern – den mächtigsten Vampirfamilien. Jeder von ihnen will das Drachen-Erbe, das durch ihre Adern fließt, für sich gewinnen. Doch sie selbst hat keine Kontrolle über die Kräfte, die in ihr stecken. Und dann ist da noch Blake Drakharrow, der Vampir, dem sie einst vertraute. Ihre Verbindung ist gefährlich, zerstörerisch und könnte sie beide in den Abgrund reißen. In einer Welt, in der Drachen, Vampire und tödliche Intrigen das Leben bestimmen, gibt es keine Happy Ends – nur Legenden. Und Medra muss entscheiden, ob sie selbst zur einer wird oder in der Dunkelheit untergeht ...

Ein spannender zweiter Band mit kleinen Schwächen

The Bond that Burns von Briar Boleyn knüpft nahtlos an den ersten Band der Bloodwing-Academy-Reihe an und liefert erneut eine Mischung aus Romantasy, Drachen, Vampire, Magie und gefährlichen Intrigen. Die Geschichte rund um Medra entwickelt sich konsequent weiter und erweitert die ohnehin schon spannende Welt um neue Geheimnisse und Machtkämpfe. Besonders das Worldbuilding konnte mich wieder überzeugen. Die düstere Atmosphäre der Academy, die politischen Konflikte und die wachsende Bedrohung sorgen dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Auch die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und hält einige überraschende Wendungen bereit.

Trotzdem hatte ich beim Lesen immer wieder Momente, in denen ich genervt war. Das lag leider fast ausschließlich am männlichen Protagonisten Blake. Ich weiß, dass der typische Enemies-to-Lovers-Held oft arrogant, verschlossen und moralisch fragwürdig sein soll. Aber hier wurde mir das einfach zu viel. Statt geheimnisvoll oder faszinierend wirkte Blake auf mich oft einfach anstrengend. Seine ständigen Alleingänge, seine schlechte Kommunikation und seine wechselhafte Art haben mich irgendwann eher frustriert als neugierig gemacht. Dabei hatte ich mich wirklich auf Band 2 gefreut. Diese Freude wurde wirklich sehr schnell kaputt gemacht.

Medra dagegen entwickelt sich erfreulich weiter. Sie wächst an ihren Aufgaben und versucht trotz der vielen Gefahren ihren eigenen Weg zu gehen. Gerade deshalb fiel mir der Kontrast zu Blake noch stärker auf. Während sie nachvollziehbare Entscheidungen trifft, sorgt er immer wieder für unnötiges Drama.

Blake macht das Lesen teilweise anstrengend

Mein größter Kritikpunkt ist eindeutig Blake. Ich verstehe, dass er als komplexe Figur angelegt wurde und viele innere Konflikte mit sich herumträgt. Das Problem ist nur, dass sich sein Verhalten über weite Strecken ständig wiederholt. Er sagt wenig, verschweigt wichtige Informationen und trifft Entscheidungen, die eher Chaos verursachen als Probleme lösen.

Irgendwann hatte ich einfach das Gefühl, dass sich dieselben Konflikte immer wieder im Kreis drehen. Kaum glaubt man, jetzt könnte endlich eine vernünftige Unterhaltung stattfinden, folgt das nächste Missverständnis oder die nächste unnötig dramatische Aktion. Das wirkte auf mich teilweise konstruiert und hat meinen Lesefluss ausgebremst.

Dabei hätte Blake durchaus das Potenzial gehabt, ein richtig interessanter Charakter zu sein. Seine Vergangenheit und seine Rolle innerhalb der Geschichte bieten genug Stoff für Tiefe. Leider bleibt vieles hinter ständigem Schweigen und übertriebenem Geheimnisgetue verborgen. Irgendwann dachte ich mir nur noch: Rede doch einfach einmal ehrlich.

Auch die romantischen Szenen konnten mich deshalb nicht immer überzeugen. Natürlich ist die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren vorhanden, aber sie lebt für meinen Geschmack zu oft von künstlich erzeugten Konflikten statt von echter emotionaler Entwicklung. Dadurch konnte ich die Beziehung nicht immer so mitfühlen, wie ich es mir gewünscht hätte.

Ein echtes Highlight war für mich dagegen die Entwicklung von Medra und die Verbindung zu ihrem Drachen. Gerade diese Momente haben gezeigt, welches Potenzial in der Geschichte steckt. Die Bindung zwischen den beiden wirkt authentisch und entwickelt sich im Laufe des Buches immer weiter. Besonders in den gefährlichen Situationen wird deutlich, wie sehr sich beide aufeinander verlassen müssen. Diese Szenen haben nicht nur für Spannung gesorgt, sondern der Geschichte auch emotionale Tiefe verliehen. Ich hätte mir sogar gewünscht, dass dieser Handlungsstrang noch etwas mehr Raum bekommen hätte, denn immer wenn Medra und ihr Drache gemeinsam im Mittelpunkt standen, hat mich das Buch am meisten begeistert.

Tolles Setting, aber nicht mein Lieblingsband

Abseits dieses Kritikpunkts bietet das Buch dennoch viele Stärken. Das Worldbuilding wird weiter ausgebaut und besonders die politischen Machtspiele innerhalb der Vampirhäuser fand ich spannend. Auch die neuen Entwicklungen rund um die Drachen sorgen dafür, dass man unbedingt wissen möchte, wie die Reihe weitergeht. Die Geschichte besitzt genug Tempo und Spannung, sodass ich das Buch trotz meiner Kritik zügig beendet habe.

Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und sorgt dafür, dass auch längere Kapitel nicht zäh werden. Die Autorin versteht es, Action, Magie und Emotionen miteinander zu verbinden. Gerade Fans von düsteren Fantasywelten kommen hier definitiv auf ihre Kosten.

Dennoch hat Blake für mich vieles überschattet. Ein romantischer Hauptcharakter muss nicht perfekt sein. Im Gegenteil. Fehler machen Figuren interessant. Aber hier war es zu viel. Zu viel von seiner Sturheit, von den teilweise beleidigenden Verhaltensweisen und wirklich zu viel vom selben innerlichen Konflikt.

Am Ende bleibt für mich deshalb ein etwas gemischter Eindruck zurück. Ich mochte die Welt, die Spannung und viele Nebenfiguren wirklich gern. Die Handlung entwickelt sich sinnvoll weiter und macht durchaus neugierig auf den nächsten Band. Gleichzeitig konnte ich mich wegen des männlichen Protagonisten nie vollständig auf die Geschichte einlassen.

Wer bereits den ersten Band geliebt hat, wird vermutlich auch hier wieder viel Freude haben. Wer allerdings empfindlich auf übermäßig verschlossene, ständig dramatische Love Interests reagiert, sollte sich darauf einstellen, dass Blake erneut eine sehr große Rolle spielt. Für mich war genau das der Grund, warum The Bond that Burns trotz vieler guter Ideen hinter meinen Erwartungen geblieben ist. Für mich heißt es hier: Die Reihe werde ich nicht weiter lesen. Auch wenn noch zwei weitere Bände folgen werden, konnte mich Band 2 nicht weiter an dieser Geschichte interessieren.

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