Seizouh wächst im Schutz eines alten Tempels auf, in einer Welt,
die seit Generationen durch heilige Runen vor der Dunkelheit bewahrt wird.
Sein Alltag besteht aus Training, Disziplin und den Lehren seines Großvaters Pelbar.
Doch während andere Schüler ihren Weg finden, bleibt Seizouh innerlich unsicher.
Etwas in ihm fühlt sich anders an. Nicht stark. Nicht klar. Nur fremd.

Dann beginnen sich die Zeichen zu mehren.

Ein Traum, der sich zu wirklich anfühlt.
Eine Schriftrolle, die besser verschlossen geblieben wäre.
Eine beschädigte Rune am Rand des Waldes.
Und eine Stille, die nicht natürlich ist.

Je näher Seizouh der Wahrheit kommt,
desto mehr gerät der Frieden ins Wanken.
Alte Geschichten, die man für Legenden hielt,
scheinen plötzlich näher zu sein als je zuvor ...

... Doch manche Antworten haben ihren Preis.

Und manche Geheimnisse wurden nicht verborgen,
weil sie vergessen werden sollten.
Sondern weil niemand bereit war, sie zu öffnen.


Eine geheimnisvolle Welt voller Runen und alter Geheimnisse

Mit Seizouh – Das Urteil der Rune legt Fabiano Docimo den ersten Band seiner Fantasy-Reihe vor. Der Roman erschien im Juli 2026 und umfasst rund 300 Seiten. Im Mittelpunkt steht der sechzehnjährige Seizouh, der gemeinsam mit seinem Großvater Pelbar in einem abgeschiedenen Tempel aufwächst. Dort bestimmen Training, Disziplin und die Lehren über uralte Runen seinen Alltag.

Was zunächst nach einem eher ruhigen Leben klingt, verändert sich, als merkwürdige Ereignisse auftreten. Ein ungewöhnlicher Traum, eine geheimnisvolle Schriftrolle und eine beschädigte Rune am Waldrand sind nur einige der Hinweise darauf, dass mit der scheinbaren Sicherheit des Tempels etwas nicht stimmt. Je mehr Seizouh über seine Umgebung erfährt, desto deutlicher wird, dass die Vergangenheit längst nicht so abgeschlossen ist, wie alle glauben.

Besonders gefallen hat mir dabei das Worldbuilding. Docimo erschafft eine Fantasywelt, die stark von asiatischen Elementen, Tempeln, mystischen Symbolen und alten Traditionen geprägt ist. Das wirkt angenehm anders als viele klassische Fantasywelten. Gleichzeitig wird man nicht direkt mit einer riesigen Menge an Informationen überschüttet. Die Welt wird nach und nach erweitert, sodass man genügend Raum hat, sich selbst ein Bild zu machen.

Auch das Magiesystem mit den Runen ist interessant. Die Runen dienen nicht einfach nur als dekoratives Element, sondern sind eng mit der Geschichte und dem Schutz der Welt verbunden. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, dass hinter ihnen eine viel größere Geschichte steckt. Gerade diese offenen Fragen sorgen dafür, dass man weiterlesen möchte.

Zwischen Geheimnissen und persönlicher Entwicklung

Seizouh selbst ist kein typischer Held, der von Anfang an selbstbewusst auftritt und jede Herausforderung problemlos meistert. Im Gegenteil. Er zweifelt häufig an sich und fragt sich, ob er den Erwartungen seines Großvaters überhaupt gerecht werden kann. Genau diese Unsicherheit macht ihn für mich zu einer sympathischen Hauptfigur.

Seine Entwicklung steht klar im Mittelpunkt der Geschichte. Aus dem Jugendlichen, der seinen eigenen Platz noch nicht gefunden hat, wird langsam jemand, der sich mit seiner Vergangenheit und seiner Bestimmung auseinandersetzen muss. Das funktioniert vor allem deshalb gut, weil Seizouh nicht plötzlich zum perfekten Helden wird. Seine Charakterentwicklung fühlt sich eher wie ein Prozess an.

Eine wichtige Rolle spielt auch sein Großvater Pelbar. Er ist gleichzeitig Lehrer, Bezugsperson und eine Figur, die selbst zahlreiche Geheimnisse mit sich herumzutragen scheint. Dadurch bekommt die Beziehung zwischen den beiden zusätzliche Tiefe. Auch die Nebenfiguren wie Kaelira, Seikan und Zayumi tragen dazu bei, dass Seizouhs Reise nicht wie ein einsamer Weg wirkt.

Besonders die Freundschaft innerhalb der Gruppe entwickelt sich interessant. Die Figuren stehen sich nicht von Anfang an völlig problemlos gegenüber, sondern müssen erst lernen, miteinander klarzukommen. Gemeinsame Erfahrungen und Gefahren schweißen sie zunehmend zusammen.

Spannung, Atmosphäre und ein vielversprechender Auftakt

Das Erzähltempo ist dabei angenehm ausgewogen. Der Einstieg nimmt sich etwas Zeit, um die Figuren und den Tempel vorzustellen. Sobald die ersten Geheimnisse ans Licht kommen, zieht die Handlung jedoch spürbar an. Prüfungen, Kämpfe und neue Erkenntnisse wechseln sich ab, ohne dass der Roman unnötig aufgebläht wirkt.

Auch der Schreibstil hat für mich seinen eigenen Charakter. Er ist bildhaft und stellenweise fast poetisch, bleibt aber insgesamt gut zugänglich. Gerade die ruhigeren Momente geben der Geschichte Gelegenheit, ihre Atmosphäre zu entfalten. Hier und da fallen Wiederholungen allerdings doch auf. Was nicht unbedingt stört, aber ich habe es einfach nicht erwartet.

Natürlich ist das Buch nicht vollkommen. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefe bei den Nebenfiguren und einen noch ausführlicheren Blick auf die Welt außerhalb des Tempels gewünscht. Gerade weil die Geschichte so viele interessante Ansätze besitzt, bleibt nach dem ersten Band das Gefühl, dass hier noch sehr viel mehr verborgen liegt.

Das ist allerdings gleichzeitig eine der größten Stärken des Romans. Spannung entsteht nicht ausschließlich durch Kämpfe, sondern vor allem durch die vielen offenen Fragen. Was hat es mit den Runen auf sich? Warum scheint Seizouh eine besondere Rolle zu spielen? Und welche Geheimnisse verbergen Pelbar und die anderen Figuren?

Am Ende hinterlässt Seizouh – Das Urteil der Rune deshalb einen positiven Eindruck. Der Roman verbindet Fantasy, Coming-of-Age, mystische Elemente und Abenteuer zu einem unterhaltsamen Gesamtpaket. Besonders die Atmosphäre, das asiatisch angehauchte Setting und die Entwicklung des Protagonisten bleiben im Gedächtnis.

Wer High Fantasy mit geheimnisvollen Welten, Magie und einer jungen Hauptfigur mag, sollte sich den Auftakt durchaus näher ansehen. Gleichzeitig ist das Buch auch für Leser interessant, die keine tausend Seiten lange Fantasy-Saga suchen, sondern lieber einen überschaubaren Einstieg in ein neues Universum möchten.

Fazit

Mein größter Wunsch nach dem Ende? Mehr. Denn der Cliffhanger macht ziemlich deutlich, dass Seizouhs Geschichte gerade erst begonnen hat.

Fabiano Docimo liefert mit Seizouh – Das Urteil der Rune einen gelungenen und atmosphärischen Reihenauftakt. Nicht jede Figur ist bereits vollständig ausgearbeitet und auch das Worldbuilding darf in den kommenden Bänden noch weiter wachsen. Dafür gibt es sympathische Charaktere, interessante Runenmagie, eine geheimnisvolle Geschichte und jede Menge Lesespaß. Für mich ein Fantasy-Debüt mit deutlichem Potenzial und ein Buch, bei dem ich wissen möchte, wie es weitergeht.

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