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Blind Date mit Drachenblut

Ungläubig starre ich mich im Spiegel an.
Wer kam bloß auf die verrückte Idee, Blind Dates mit Protagonisten mir unbekannter Bücher zu organisieren? Ach ja: Ich.
Und das Beste? Die Würfel bestimmen, was ich anziehe. Und sie entscheiden, was besagter Protagonist mit mir unternehmen darf. Was dazwischen geschieht, liegt ganz beim Autor.
Und heute? Heute trage ich nicht mehr als ein graues Nachthemd, das meiner Meinung nach viel zu kurz ist und zu viel Dekolletee zeigt, aber hey. So mache ich mich nun also auf den Weg ins Restaurant, wo ich auf Mister oder Misses Unbekannt treffen werde.

Zeit Drachenblut kennen zu lernen

Nervös streiche ich mir eine lästige, rote Strähne meines Haares zurück. Auf was habe ich mich nur wieder eigelassen? Ich schwöre euch, der Autorin freie Hand zu lassen, ist das schlimmste, was man machen kann. Sie tanzt dir nur auf der Nase herum und bringt einen ständig in unangenehme Situationen. Aber gut … Hier bin ich nun und werde das Beste draus machen. Mehr bleibt mir ja auch nicht übrig. Vielleicht ist diese Anna ja auch gar nicht so übel und es ist lediglich ein Essen.
Als ich an der Bahnhaltestelle Zülpicher Platz in der Kölner Südstadt ankomme, steige ich aus der Straßenbahn aus und streiche mir mein grünes Sommerkleid glatt. Ich atme tief durch und taste nach meinem Feuerelement, um daraus Kraft zu schöpfen und meine Nervosität zu ersticken. Dann gehe ich den Bahnsteig entlang, um die Straße zu überqueren.
Weiter als bis zur Ampel komme ich jedoch nicht, weil neben mir plötzlich eine seltsam blasse Gestalt auftaucht und mich finster mustert. Ihre Augen sind weit in die Höhlen zurückgefallen, während die wenigen Haare strähnig hinabfallen.
Ein Leerer.
Ich spüre, wie sich mein Herzschlag beschleunigt, genauso wie meine Atmung. Glücklicherweise befinden wir uns auf einer belebten Straße, sodass der Leere sich zurückhalten muss. Ansonsten hätte er mich sicherlich bereits angegriffen. Schließlich sind sie die Feinde der Elementaren, zu denen ich gehöre.
Wir beäugen uns argwöhnisch, als die Ampel auf Grün umspringt. Beinahe muss ich mich dazu zwingen, langsam weiterzugehen, denn alles in mir schreit danach, wegzulaufen, als würde der Teufel höchstpersönlich mich jagen. Gleichzeitig verbinde ich meinen Energiefluss mit meinem Element, lasse aus seinem Käfig und genieße die Stärkung, als es fröhlich durch meine Adern tanzt. Es wärmt mich von innen, jederzeit bereit, einen Feuerball zu formen.
Glücklicherweise trennen sich unsere Wege auf der anderen Straßenseite, sodass ich mein Element wieder einsperre. Leicht hallt es noch nach, bis es nur noch ein leichtes Ziepen in meiner Magengegend ist. Gleichzeitig bleibe ich wachsam, denn ich weiß, dass mein Feind mich beobachten wird. Wenn ich später heimfahre, wird er mir folgen. Aber als Elementare weiß ich, wie ich den Leeren abschütteln kann. Notfalls habe ich die Möglichkeit ich meine Einheit rufen.

Das Restaurant

Als Restaurant habe ich mir das Sasan ausgesucht. Auch wenn die Begegnung mit dem Leeren mir noch in den Knochen sitzt, schleicht sich ein Lächeln auf meine Lippen. Hier habe ich mit Nick mein erstes Date verbracht. Dieser Ort hat mir bisher immer Glück beschert, daher fühle ich mich hier wohl. Das ist auch der Grund, weshalb ich dieses Restaurant gewählt habe.
Drinnen angekommen, begrüßt mich eine Kellnerin und führt mich zu einem runden Tisch, an der eine Frau mit roten Haaren sitzt. Sie trägt ein graues … Ist das ein Nachthemd? Vom Stoff her würde ich das vermuten. Sobald ich sie von vorne sehe, muss ich mit mir kämpfen, dass mir nicht sämtliche Gesichtszüge entgleisen. Das Kleid ist so kurz, dass es ihr gerade so bis über den Hintern reicht und ihr Dekolletee ist ebenfalls nur spärlich bedeckt.
Sie lächelt zaghaft, als wäre ihr die Situation nicht ganz geheuer.
„Hallo, ich bin Aileana, aber es reicht, wenn du mich Lea nennst.“ Ich reiche ihr meine Hand, die sie ergreift.
„Hallo. Anna.“ Ich habe das Gefühl, mich für meinen Aufzug entschuldigen zu müssen. Ich hoffe ihr wurde erklärt, dass ich hier absolut keine Entscheidungsgewalt besitze und mich nur den Würfeln füge.
Sie räuspert sich verlegen und scheint darauf zu warten, dass ich mich setze. Also lege ich ein Lächeln auf, dann nehme ich ihr gegenüber Platz. Mir fehlen irgendwie die Worte, denn ich kann ihr deutlich ansehen, wie unangenehm ihr die Situation ist. „Hast du gut hergefunden?“
„Ja. Obwohl ich schon länger nicht mehr in der Kölner Südstadt war.“ Lea wirkt sympathisch und trotzdem habe ich das Gefühl, dass sie am liebsten lachen würde.
„Gut, das kann ich verstehen. Zum Glück liegt das Restaurant ja direkt neben der Bahnhaltestelle und ist deswegen kaum zu übersehen. Aber davon abgesehen liebe ich die Pizzen hier abgöttisch.“ Als mein Magen zur Bestätigung laut knurrt, lache ich verlegen und lege mir die Hand auf den Bauch.
Anna grinst, als ihr Magen zur Bestätigung ebenfalls knurrt. „Sag mal Lea“, fängt sie zaghaft an. „Erzähl mal was von dir. Ich habe ehrlich gesagt nicht mit einer Frau als Date gerechnet.“
Eine unverfängliche Frage, die trotzdem gefährlich für mich ist. Schließlich kann ich ihr schlecht sagen, dass ich eine Feuerelementare bin. Mal davon abgesehen, dass ich sonst auch Probleme mit dem Rat der Welt der Elemente bekommen würde, selbst wenn ich sie schon lange kennen würde. „Da gibt es gar nicht so viel zu erzählen. Momentan verbringe ich meine Zeit gerne mit Sport, weil ich mich gerne bei der Feuerwehr bewerben möchte. Okay, sollte. Meine Mutter verlangt, dass ich mich entscheide und meine Freunde sagen, anderen Menschen zu helfen wäre genau mein Ding. Trotzdem habe ich eigentlich keine Ahnung, was ich wirklich machen möchte. Ich habe gerade erst mein Abitur bestanden und so viel um die Ohren, dass ich kaum Zeit habe, mir wirklich Gedanken zu machen. Und bei dir? Ich möchte nicht unhöflich sein, aber was hat es mit deiner Kleiderauswahl auf sich?“
Anna räuspert sich. „Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich die Klamotten nicht gewählt. Das war eine Freundin von mir.“ Sie versucht zu lächeln, doch es ähnelt eher einer ungeschickten Grimasse. „Wie man sieht hat sie mich enorm lieb.“
Ein Augenrollen kann sie sich nicht verkneifen. Gleichzeitig tut sie mir furchtbar leid, trotzdem kann ich mir ein Lachen nicht unterdrücken. „Ich kenne das zu gut. Ich lasse meine beste Freundin immer meine Sachen raussuchen, weil sie ein besseres Auge hat als ich. Glücklicherweise hat sie sich nie so einen Scherz erlaubt und mich in so eine Situation gebracht.“
In dem Moment tritt die Kellnerin zu uns und reicht uns die Karte. „Was darf ich euch denn zu Trinken bringen?“

Ihr Blick richtet sich auf mich. „Ich bekomme eine Cola.“ Dann wendet sie sich Anna zu.
„Cola klingt gut“, lässt sie die Kellnerin wissen, die mit einem Nicken verschwindet. Dann wendet sie sich mir zu. „Tja. Meine Freunde sind halt manchmal fies.“ Dabei verschweige ich ihr, dass alles eigentlich meine Idee war. „Und glaub mir. Sie werden sicherlich noch ein wenig fieser.“
„Ich wüsste nicht, ob mir das gefallen würde. Das klingt mir schon zu verrückt.“
Sie lächelt. „Manchmal muss man verrückt sein, damit das Leben spannend bleibt. Weswegen du ja auch den Rest des Abends bestimmen sollst.“ Ihr Lächeln wird zu einem Grinsen. „Ich überlasse heute Abend alles den anderen und hoffe, dass ich nicht sterben werde.“
„Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mein Leben zu viel Spannung hat. Ich kann jedoch nicht versprechen, dass es nicht eventuell brenzlig wird.“ Fahrig streiche ich mir meine Haare zurück. Die Kellnerin tritt erneut zu uns und stellt uns unsere Getränke hin. Wir bedanken uns bei ihr, dann stoßen wir an. Ein breites Grinsen tritt auf mein Gesicht. „Auf einen schönen Abend, der hoffentlich gut ausgeht.“
„Auf einen schönen Abend!“, stimme ich ihr zu und nehme einen Schluck. Hat Lea gerade gesagt, dass es brenzlich werden könnte? Ich hoffe, ihr ist bewusst, dass ich nicht wirklich rennen kann. Wer weiß, wo mein Outfit dann landet. Beziehungsweise wo es nicht landet.
Kurz darauf kommt die Pizza. Wie zu erwarten, schmeckt sie himmlisch. Sie ist dick belegt, hat einen dünnen Teig und ist dazu riesig, sodass sie kaum auf das Holzbrett passt, auf dem sie serviert wird. Ich seufze leise vor Verzückung. Hiervon könnte ich mich jahrelang ernähren. Der Abend zieht dahin und wir unterhalten uns über alles Mögliche. Ich mag Anna. Sie ist sympathisch und macht es einem leicht, sie ins Herz zu schließen.
„Hast du Lust, noch eine Runde Billiard zu spielen? Die haben unten einen Tisch stehen“, frage ich sie neugierig und hoffe, dass sie mich wenigstens genauso angenehm findet, wie ich sie und deswegen noch bleiben möchte.

Jetzt wird es peinlich.

Während ich genüsslich den letzten Bissen meiner Pizza kaue und versuche den Geschmack so lange wie möglich auszukosten, schaue ich Lea an. Billard klingt an sich sehr cool. „Ich hoffe, dir ist bewusst, dass ich nicht gut spielen werde. Also sind Wetten verboten!“, lautet ihre Antwort.
Das bringt mich zum Lachen. „Wir können Wetten abschließen, wer von uns die Schlechtere ist. Ich bin furchtbar in Billiard, aber es macht trotzdem Spaß. Ich bin beinahe erleichternd, dass du auch so mies bist wie ich“
Jetzt muss auch sie lachen. „Man merkt halt, dass wir weiblich sind. Ich glaube kaum, dass wir oft Billard spielen gehen an normalen Tagen. Wenn ich mit meinen Freundinnen weggehe, dann endet das meistens mit Pizza oder Burger und viel Alkohol.“
Ein wenig beneide ich Anna um ihr normales Leben. Wann bin ich das letzte Mal einfach nur mit meinen Freunden ausgegangen, ohne auch nur an die Welt der Elemente und unser Schicksal zu denken? Es verfolgt uns auf Schritt und Tritt, sobald wir auch nur aufeinandertreffen. Da wir durch unsere Elemente auch noch so etwas wie Verantwortung haben und nicht die Kontrolle verlieren dürfen, fällt Alkohol eh weg.
Ein wenig bereue ich meinen Entschluss, mich für mein Element entschieden zu haben. Aber nur ein kleines bisschen. Denn meine neuen Freunde würde ich niemals missen wollen. Ich schüttele meinen Kopf, damit ich nicht schon wieder zu weit abdrifte. Ich möchte schließlich einen schönen Abend mit Anna verbringen.

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