Film Interviews

Real Buddy: Erfrischendes Indy

Hallo ihr Lieben,

Reden wir heute mal ein wenig über die Nerds unter uns und einen neuen, deutschen Film: Real Buddy. Die Meisten von uns sind mit ihnen aufgewachsen, den TV Serien wie Star Trek, Buck Rogers, Battlestar Galactica. Später kamen dann The X-Files, Babylon und Firefly und noch viele weitere Serien dazu. Auch auf der großen Kinoleinwand gab es coolen SciFi zu sehen. Ein Weg, der hauptsächlich von Star Wars geebnet wurde. Der Begriff “Nerdom” wurde fester Bestandteil der heutigen Popkultur. Mit der Zeit entwickelte sich auch das Interesse an Dystopien wie Mad Max oder Blade Runner, die zu den Meilensteinen des Kinos gehören.

Es ist eine wirklich gute Zeit “Nerd” zu sein. Doch bei jede Menge Filmen, Serien, Comicbüchern und Conventions fällt es nicht leicht ein wahres Juwel zu finden. Doch ab und zu passiert es. Das kann dann dazu führen, dass man an seine Kindheit erinnert wird, die Lieblingsserie von vor 20 Jahren. Und erkennt, was man schon lange vermisst hat.

Real Buddy

REAL BUDDY – ERFRISCHENDES INDY- GENREKINO AUS DEUTSCHLAND

REAL BUDDY kann man durchaus als so ein Phänomen bezeichnen. Man erkennt, dass die Filmemacher sich hier stilistisch sicher von Filmen wie Blade Runner und Alien haben inspirieren lassen. Hinzu kommt der schwarze Humor, den man auch in Brazil von Terry Gilliam findet.

REAL BUDDY spielt in einer nicht zu weit entfernten Zukunft. Er ist eine düstere und bedrohliche schwarze Komödie mit allem, was man von einem solchen Film auch erwartet: Spannung, Action, Überraschungen und dem Gefühl, dass das Szenario im Film gar nicht so weit weg ist von unserer Realität. Hinzu kommt ein cooles dunkles Gefängnis, welches man so tatsächlich noch nie gesehen hat. All das wird mit einem lachenden Auge rübergebracht und ist so erfrischend anders, das es eine Freude ist, den merkwürdigen Charakteren zu folgen, die sich in diesem Film tummeln.

UNGEWÖHNLICHER DREHORT FÜR EINEN UNGEWÖHNLICHEN FILM

Gedreht wurde der Film in einer 450 Jahre alten Renaissance – Zitadelle aus der Zeit Napoleons. Man kann Geschichte an einem solchen Ort förmlich atmen, was dazu führt, dass sich die mächtige Gefängnisfestung aus REAL BUDDY um einiges echter anfühlt, als dies bei einem Filmset normalerweise der Fall ist. Allein dieses Setting ist es schon wert, dem Film seine Zeit zu widmen. Aber die Kombination aus guter Story und Schauspielern, die offensichtlich richtig Lust auf dieses Projekt hatten, lässt den Film richtig rocken! Mehr Infos zu dem Schauplatz und natürlich auch dem Film selber findet ihr auf der Webseite, die euch eventuell sogar ein wenig überraschen könnte.

Real Buddy

LAUFLÄNGE AM ZAHN DER ZEIT

Auch bei der Lauflänge schlägt REAL BUDDY aus der Norm. Mit einer Länge von 52 Minuten ist der Film mittellang.

Aus Sicht seiner Produzenten, die REAL BUDDY wirklich völlig unabhängig finanzierten, sicher auch eine ökonomische Entscheidung. Doch in der heutigen Zeit bewegt sich die Filmindustrie langsam aber sicher weg von Standardlängen und festgelegten Formaten. Amazon und Netflix sind die Vorreiter in einer medialen Welt, in der Filme und Serien zusehends non linear konsumiert werden. Beim Streaming ist im Prinzip erlaubt, was gefällt – in wirklich jeder Länge. Kürzere Formate bieten letztlich mehr – inklusive überraschenderer Enden, weichen sie doch von der klassischen 3-Akt Struktur ab, bei der man leider meist schon vorher weiss, wie es enden wird. REAL BUDDY strotzt nur so mit Story – Twists, führt den Zuschauer an der Nase herum und bietet ein wirklich fulminant überraschendes Ende.

INTERNATIONALE PREISE UND DEUTSCHE PREMIERE IN BERLIN

Das sehen auch andere Menschen so. Beim renommierten Worldfest Houston International Filmfestival – dem ältesten der Welt – holte REAL BUDDY in der Kategorie “Comedy Black/Dark” 2015 den Special Jury REMI Award, eine der höchsten Auszeichnungen des Festivals.. Der Film lief erfolgreich beim Carmarthen Bay International Filmfestival in Wales und feiert nun am 18. Februar 2016 offizielle Deutschlandpremiere auf der Genrenale in Berlin, einem Festival, welches sich den Gernefilm aus Deutschland auf die Fahnen geschrieben hat und zur Berlinale Mitte Februar in Berlin stattfindet. Von hier geht es auf zahlreichen Festivals nun weiter rund um die Welt.

Genrenale

INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR FRANK MIRBACH

Natürlich will ich euch nicht nur von Real Buddy erzählen. Ich habe mir den Regisseur und Produzenten des Films Frank Mirbach geschnappt und ihm einige Fragen gestellt. Viel Spaß damit.

Der Film wirkt wie ein großer Hollywood Film. Vor allem die Zitadelle als Setting ist sehr beeindruckend. Es muss ja wirklich Spaß gemacht haben dort zu drehen, wo es doch sicher fast unmöglich ist, dafür eine Erlaubnis zu bekommen richtig?

Die Zitadelle ist nicht nur ein Museum mit laufenden Ausstellungen, sondern auch ein Gymnasium. Daher waren die Verhandlungen schwierig. Vor allem weil wir verschiedene Sets für den Dreh in die historische Struktur einbauen mussten und weil wir dort einige Actionszenen drehen wollten. Nur durch die grosse Unterstützung und Hilfe vieler Jülicher ist es uns gelungen, die Erlaubnis zu bekommen und viele dieser Menschen waren dann später auch Statisten bei den Dreharbeiten.

Das Ganze lief am Ende dann so gut, dass man uns tatsächlch bat, unsere Setbauten erst einmal dort zu lassen, für eine Ausstellung rund um unseren Film. Die Besucher konnten also durch die Sets laufen und die echten Kostüme, Bauten und Requisiten sehen.

Frank Mirbach

In der Zitadelle zu drehen war fantastisch und eine sehr seltene Gelegenheit. Wir haben überall in Europa nach der geeigneten Location gesucht, da wir uns kein Studio leisten konnten. In Jülich haben wir nicht nur unser seltsames Gefängnis der Zukunft gefunden sondern auch einen Ort, der es uns ermöglicht hat, unseren Dreh praktisch umzusetzen. Wir hatten Platz für unsere vielen Statisten, unser Catering für 200 Leute, Kostüm und Make up Räume, die uns von der Schule zur Verfügung gestellt wurden. Wir durften sogar in der Turnhalle der Schule für die ganzen Stunts üben.

Aber in einem 450 Jahre alten Gemäuer zu drehen ist auch anstrengend, da die Wände meistens nass und schief waren. Da unsere Filmbauten anzupassen, um alle sin ein Gefängnis der nahen Zukunft zu verwandeln, war echt Arbeit. Es hat alleine drei Wochen gedauert alles Setteile anzupassen.

Außerdem war es richtig kalt in diesem Gebäude. Wir hatten immer nur 11 Grad, die sich anfühlten wie Minus 5, weil dort immer feucht ist ein ein kalter Zug herrscht.

Man merkt, dass ihr sehr viel Liebe in dieses Projekt gesteckt habt. Nicht nur mit der Location an sich, sondern auch mit den ganzen kleinen Details. Wie lange habt ihr insgesamt gedreht? Und da ich den Film ja schon sehen durfte, kann ich auch sagen, dass es nach einer langen Post Production Zeit aussieht, was ja sonst einen Haufen Geld kostet. Aber du hast das auf ein Minimum beschränken können.

Wir hatten ca 30-35 Tage zum Drehen, da zählen Location und Studio zusammen. Genau wie VFX. Unsere Filmcrew, die nur aus professionellen Filmleuten bestand, sollte ja nicht zu lange von ihren eigentlichen Jobs abgehalten werden.

Die Post Production hat einige Monate in Anspruch genommen. Dazu kamen mit digitalen Seterweiterungen, Mündungsfeuern für unsere Waffen, sich bewegenden Helmteilen und Green Screens rund 190 effect shots.

Das hat alles nur geklappt, weil wir über 300 Leute hatten, die uns ihre Dienste für einen kleinen Teil des eigentlichen Preises oder gar kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Ich nehme mal an, dass haben sie nur gemacht, weil sie die Idee eines SciFi Genre Films aus Deutschland gemocht haben. Sowas passiert viel zu selten hierzulande, obwohl es jede Menge Talent da draußen gibt.

Frank Mirbach 1

Das dystopische Gefühl dieses Films schreit förmlich nach mehr und hat vor allen Dingen Potential. Wird es noch mehr aus dem “BuddyVerse” zu sehen geben? Ein weitere Film oder eine TV Serie vielleicht?

Ich wurde darauf schon von vielen Menschen gesprochen, die den Film gesehen haben. Wir haben bereits ein Drehbuch für einen 90 Minütigen Film, eine Art Prequel zu Real Buddy, dass die Vorgeschichte zurStory im jetzigen Film zeigt. Wir erfahren, wie die Hauptcharaktere im Gefängnis gelandet sind und wie unsere Hauptrolle um ihr grosses Geheimnis kämpft. Es gibt sogar einen weiblichen Charakter und eine Liebesgeschichte. Natürlich ist auch dieses Drehbuch lustig und behält die Atmosphäre des eigentlichen Films bei.

Die Idee einer TV Serie ist natürlich auch sehr interessant, weil Serien derzeit sogar wichtiger sind als Filme. Ich bin für alles offen. Wir haben gezeigt, was wir mit wenig Geld erschaffen können und ich hoffe, dass der ein oder andere Produzent das Potential erkennen wird. Ich würde mich sehr über ein weiteres Kapitel von Buddy freuen.

Was war dein tollster Moment während der langen, harten und vielleicht auch tränenreichen Arbeit an Buddy?

Es ist schwer nach so langer, harter Arbeit an einem Film etwas zu finden, das einem besonders gut gefallen halt. Als Regisseur stehe ich dem Film sehr nahe und es ist schwer dann noch Abstand zu wahren. Aber ich muss sagen, dass ich es toll fand morgens von meinem Assistenten mit Kaffee schon auf dem Parkplatz begrüßt zu werden. Das hat mich dann immer daran denken lassen, dass all dies tatsächlich passiert. Und es war ein wirklich grossartiges Gefühl, die Welt, die wir gedanklich kreiert hatten, nun tatsächlich betreten und anfassen zu können.

Real Buddy

Ich bin der Überzeugung, dass Real Buddy in der Lage sein wird, Fans weltweit zu begeistern. Wenn ihr also zufällig am 18. Februar in Berlin seit, schaut auf der Genrenale vorbei, sagt Hallo zu Frank und den Schauspielern und hofft darauf, dass ihr den Cast auf der FedCon und/oder German Comicon erleben dürft.

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