
Es gibt Spiele, bei denen man nach dem Start sofort weiß, was die Entwickler einem zeigen wollen. Aniimo gehört definitiv dazu. Bunte Landschaften, niedliche Kreaturen und eine große Welt, die darauf wartet, erkundet zu werden. Auf den ersten Blick wirkt das Konzept vertraut. Und genau das war auch mein erster Gedanke: Das kenne ich doch irgendwoher.
Nach etwas genauerem Hinsehen wird allerdings klar, dass Aniimo nicht einfach nur das nächste Monster-Sammelspiel sein möchte. Das Spiel versucht, seine eigene Mischung aus Erkundung, Sammeln, Story und gemütlichen Momenten zu finden. Ob das funktioniert? Zum globalen Start ist die Antwort zumindest teilweise ziemlich interessant.

Idyll macht einen erstaunlich guten ersten Eindruck
Das Erste, was bei Aniimo hängen bleibt, ist die Welt. Idyll ist farbenfroh, abwechslungsreich und offensichtlich darauf ausgelegt, dass man nicht einfach nur möglichst schnell von A nach B läuft. Immer wieder gibt es Ecken, die man sich genauer ansehen möchte.
Genau dieses Gefühl gefällt mir. Man startet eigentlich mit einem Ziel und ertappt sich wenige Minuten später dabei, irgendwo abseits des Weges herumzulaufen, weil in der Entfernung etwas Interessantes zu sehen ist. Für ein Open-World-Spiel ist das ein gutes Zeichen.
Die verschiedenen Regionen helfen dabei. Mit Gebieten wie Mistwoods, Sea of Flowers, Blitzwood oder Nimbus Fields gibt es unterschiedliche Landschaften, die der Welt etwas mehr Persönlichkeit geben. Sie fühlen sich nicht wie reine Kulissen an, sondern sollen tatsächlich zum Erkunden einladen.
Und natürlich sind da die Aniimo. Die Kreaturen sind der eigentliche Star des Spiels. Einige wirken sofort sympathisch, andere sind eher kurios – und genau diese Mischung macht das Sammeln überraschend motivierend. Ich wollte jedenfalls ziemlich schnell wissen, welche Wesen noch irgendwo in Idyll auf mich warten.
Das Aniibuch unterstützt diesen Sammeltrieb. Es dokumentiert die entdeckten Kreaturen und verbindet den Fortschritt mit zusätzlichen Belohnungen. Ein simples Prinzip, das aber genau deshalb funktioniert, weil man ständig das Gefühl bekommt, die Sammlung noch ein kleines Stück vervollständigen zu können.

Mehr als nur Kreaturen sammeln
Wenn man Aniimo auf das Sammeln reduziert, wird man dem Spiel allerdings nicht ganz gerecht. Neben der Erkundung spielen Quests, die eigene Heimat und verschiedene Aktivitäten eine Rolle.
Die Geschichtsquests geben Idyll einen Rahmen und sorgen dafür, dass die Welt nicht nur aus hübschen Landschaften und herumstehenden Kreaturen besteht. Die Story ist dabei nicht unbedingt der Grund, warum ich Aniimo starten würde. Sie erfüllt aber ihren Zweck und liefert einen roten Faden für das Abenteuer.
Interessanter finde ich persönlich die Heimatfunktionen. Nach einer längeren Erkundungstour ist es angenehm, wieder an einen vertrauten Ort zurückzukehren und sich dort mit den eigenen Begleitern zu beschäftigen. Diese ruhigeren Elemente geben Aniimo einen anderen Rhythmus als viele Spiele, die permanent Action liefern wollen. Hier ist zu beachten, dass ihr durchaus eure Camp mit Freunden bauen könnt. Allerdings wird das Camp nur beim Host des Spiels bestehen bleiben. Alle anderen gehen leer aus oder müssten beim nächsten Mal selber der Host sein.
Natürlich darf auch ein bisschen Wettbewerb nicht fehlen. Mit PvP-Inhalten wie „Operation: Egg Heist“ versucht Aniimo, Spieler anzusprechen, die neben dem gemütlichen Sammeln auch etwas mehr Spannung suchen.
Ob dieser Bereich langfristig funktioniert, muss sich allerdings erst zeigen. Ein PvP-Modus ist schnell angekündigt. Entscheidend ist, ob er auch nach Wochen noch genügend Gründe liefert, ihn regelmäßig zu spielen.
Besonders interessant sind außerdem die Prismana-Formen. Seltene Varianten der Aniimo geben dem Sammeln eine zusätzliche Ebene. Wer normalerweise schon zufrieden ist, wenn ein neues Wesen im Buch auftaucht, könnte hier schnell zum Perfektionisten werden. Davon gibt es gleich zu Anfang eine große “kostenlose” Auswahl, die ihr nicht erst fangen müsst. Sucht euch einen Begleiter aus und wartet, bis ihr das entsprechende Level oder Quests beendet habt. Dann gehört er euch.

Der Start ist stark aber jetzt wird es interessant
Zum Launch macht Aniimo einiges richtig. Die Startbelohnungen fallen großzügig aus und geben neuen Spielern direkt ein paar Dinge an die Hand. Dazu gehören unter anderem Fanggegenstände, ein limitiertes Aniimo-Ei und kosmetische Inhalte.
Der Haken? Aniimo ist gerade erst gestartet. Und genau deshalb würde ich mit einem endgültigen Urteil noch etwas vorsichtig sein. Mit ca. 35 Millionen Spielern, jedenfalls laut den Vorbestellungen, kann es natürlich alles etwas länger dauern. Da hatte ich nur beim aller ersten Start ein wenig Wartezeit. Es ist bisher nicht wie bei Palia wo es eine Warteschlange gibt. Ob sich das noch ändert, wird sich zeigen.
Bei einem Live-Service-Spiel entscheidet sich die Qualität schließlich nicht allein am ersten Tag. Viel wichtiger sind die Updates danach. Kommen regelmäßig neue Aniimo? Werden neue Gebiete hinzugefügt? Gibt es spannende Events? Und vor allem? Bleibt das Sammeln interessant, wenn die erste Begeisterung verflogen ist?
Auch die Monetarisierung wird ein Thema sein, das man langfristig beobachten sollte. Zum Launch gibt es viele kostenlose Inhalte und Belohnungen. Wie sich das Verhältnis zwischen kostenlosen und kostenpflichtigen Angeboten entwickelt, lässt sich zu diesem frühen Zeitpunkt aber noch nicht abschließend beurteilen. Ihr müsst aber wirklich kein Geld ausgeben, um Aniimo zu spielen. Der Download ist kostenlos. Ob ihr dann Extras kauft, bleibt euch selber überlassen.

Mein Fazit: Charmant, aber noch mit Fragezeichen
Mein persönlicher Eindruck von Aniimo fällt zum Start positiv aus. Allerdings nicht im Sinne eines „Dieses Spiel muss jeder sofort spielen“. Dafür ist der Markt inzwischen einfach zu voll mit großen Open-World- und Sammelspielen.
Was Aniimo für mich interessant macht, ist die Atmosphäre. Die Welt wirkt freundlich, die Kreaturen sind abwechslungsreich und das Spiel lässt einem genügend Raum, einfach herumzustreifen. Gerade die Kombination aus Fantasy-Abenteuer, Sammeln und entspanntem Erkunden funktioniert erstaunlich gut.
Gleichzeitig merkt man, dass Aniimo noch am Anfang seiner Reise steht. Einige Systeme müssen sich erst beweisen, und gerade beim langfristigen Sammeln wird sich zeigen, ob genügend neue Inhalte nachkommen.
Ich würde Aniimo deshalb vor allem denjenigen ans Herz legen, die Spaß daran haben, eine Welt ohne großen Zeitdruck zu erkunden und dabei immer wieder neue Kreaturen zu entdecken. Wer dagegen ein extrem kompetitives oder storylastiges Abenteuer erwartet, könnte an anderer Stelle glücklicher werden.
Der globale Launch ist für Aniimo also weniger das Ziel als vielmehr der eigentliche Startschuss. Die Grundlage ist vorhanden. Jetzt müssen die Entwickler zeigen, dass Idyll auch dann noch interessant bleibt, wenn der erste Hype vorbei ist.
Und genau darauf bin ich am meisten gespannt. Denn die vielleicht wichtigste Frage lautet nicht, ob Aniimo zum Start Spaß macht. Das tut es. Die spannendere Frage ist, wie viel daraus noch werden kann.
