
Mit Oh La La 2 – Neue Tests, neues Chaos kehrt die turbulente Familienkomödie zurück und knüpft direkt an die Ereignisse des erfolgreichen Vorgängers an. Regisseur Julien Hervé setzt erneut auf Verwechslungen, kulturelle Missverständnisse und eine gehörige Portion Situationskomik. Die Fortsetzung erzählt die Geschichte von Frédéric und Gérard weiter, deren Leben nach den überraschenden Enthüllungen aus dem ersten Film längst nicht zur Ruhe gekommen ist. Stattdessen sorgt ein neuer DNA-Test für weitere Verwirrung und stellt die bisherigen Erkenntnisse über Herkunft, Identität und Familiengeschichte erneut infrage.

Ein Wiedersehen mit liebenswerten Chaoten
Bereits der erste Film lebte von seinem pointierten Spiel mit Vorurteilen und gesellschaftlichen Klischees. Ob das nun gut oder schlecht ist, lasse ich euch entscheiden. Auch die Fortsetzung bleibt diesem Konzept treu. Die beiden Familienväter versuchen, die Hochzeit ihrer Kinder vorzubereiten und endlich Frieden miteinander zu schließen. Doch ein unerwartet auftauchender Verwandter bringt die mühsam aufgebaute Harmonie ins Wanken. Die Handlung entwickelt daraus eine Reihe von Missverständnissen und absurden Situationen, die das Publikum immer wieder zum Schmunzeln bringen. Mal mehr, mal weniger. So wirklich viele große Lacher waren im Kinosaal nicht zu hören.
Besonders Christian Clavier als Frédéric Bouvier-Sauvage und Didier Bourdon als Gérard Martin beweisen erneut ihre komödiantische Klasse. Ihr Zusammenspiel gehört zu den größten Stärken des Films. Ohne diese beiden, wäre der Film definitiv um einiges schlechter. Die beiden Darsteller verkörpern ihre Figuren mit sichtbarer Spielfreude und sorgen dafür, dass selbst vorhersehbare Gags funktionieren. Die Chemie zwischen den Hauptfiguren macht einen großen Teil des Unterhaltungswerts aus und trägt den Film auch durch erzählerische Schwächen.
Oh La La 2 – Neue Tests, neues Chaos setzt konsequent auf Humor, Familienchaos und Situationskomik. Wer den ersten Teil mochte, wird sich schnell wieder zuhause fühlen. Wer ihn nicht mochte, sollte sich diesen Film doch eher sparen. Der Film verzichtet bewusst auf große Überraschungen und konzentriert sich stattdessen auf bewährte Stärken. Das mag nicht besonders innovativ sein, sorgt aber für eine angenehme Verlässlichkeit.

Zwischen Tradition und modernen Identitätsfragen
Interessant ist, dass Oh La La 2 trotz seines leichten Tons erneut Themen wie Herkunft, kulturelle Identität und Familienzugehörigkeit behandelt. Die Geschichte nutzt die DNA-Enthüllungen nicht nur als Aufhänger für Witze, sondern auch als Anlass, über Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen nachzudenken. Natürlich geschieht dies nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern stets im Gewand einer lockeren Komödie. Ob man das als deutscher Zuschauer nachvollziehen kann, sei dahingestellt.
Gerade diese Mischung aus Identität, Generationenkonflikt und Kulturclash verleiht dem Film eine gewisse (kleine) Relevanz. Zwar kratzt das Drehbuch meist nur an der Oberfläche, dennoch entstehen einige unterhaltsame Momente, wenn die Figuren mit den neuen Erkenntnissen über ihre Familiengeschichte konfrontiert werden.
Die Nebenfiguren erhalten ebenfalls ausreichend Raum, um eigene Akzente zu setzen. Besonders die Dynamik zwischen den Familienmitgliedern sorgt dafür, dass die Handlung lebendig bleibt. Dabei lebt vieles von den Dialogen, die häufig pointiert und mit typisch französischem Wortwitz geschrieben sind. Da ich es im französischen Originalton gesehen habe, kann ich nicht sagen, wie das in der deutschen Übersetzung rüber kommen wird. Im Französischen sitzt auch nicht jeder Gag.

Unterhaltung ohne große Risiken
Visuell bleibt Oh La La 2 eher klassisch. Die Kameraarbeit ist funktional, die Musik unterstützt das Geschehen unaufdringlich und die Regie konzentriert sich darauf, den Darstellern genügend Raum für ihre komödiantischen Einlagen zu geben. Große inszenatorische Experimente sucht man vergeblich, doch genau das dürfte viele Zuschauer nicht stören.
Die größte Stärke des Films liegt in seiner Fähigkeit, ein breites Publikum anzusprechen. Man muss auch Teil 1 nicht gesehen haben, um hier früher oder später alles zu verstehen. Dadurch entsteht eine kurzweilige Komödie, die vor allem Fans französischer Unterhaltung begeistern dürfte. Die Themen Familie, DNA-Test, Herkunft und Verwechslung werden dabei mit einem Augenzwinkern behandelt und sorgen immer wieder für gelungene Momente.
Allerdings fehlt dem Film gelegentlich der Mut, neue Wege zu gehen. Einige Wendungen wirken vertraut und manche Konflikte lösen sich etwas zu bequem auf. Mehr oder weniger einfach so… Wer nach tiefgründigem Drama oder innovativem Erzählkino sucht, wird hier kaum fündig. Wer hingegen eine charmante, humorvolle und unkomplizierte Komödie erwartet, bekommt genau das geliefert.
Am Ende erweist sich Oh La La 2 als eine Fortsetzung, die ihre bekannten Figuren sinnvoll weiterentwickelt und erneut auf den Mix aus französischem Humor, Familienkomödie und liebenswertem Durcheinander setzt. Der Film erfindet das Rad nicht neu, bietet aber rund 90 Minuten Unterhaltung mit sympathischen Darstellern und vielen amüsanten Einfällen. Für Fans des ersten Teils ist die Fortsetzung daher nahezu Pflichtprogramm und ein weiterer Beweis dafür, dass familiäres Chaos auf der Leinwand noch lange nicht aus der Mode gekommen ist. Aber wirklich nur, wenn man Teil 1 mochte.