Dies ist die Geschichte von drei Frauen und dem Blut, das sie verbindet.

Von Maria, die im Jahre 1511 in dem kleinen Dorf Santo Domingo de la Calzada geboren wird. Sie heiratet einen spanischen Edelmann, nur um fortzukommen, doch ihr Mann ist streng und die Ehe keine glückliche. Erst als sie einer geheimnisvollen Witwe begegnet, scheint die Freiheit in Reichweite, doch der Preis ist hoch.

Von Charlotte, die im Jahr 1827 in London verheiratet werden soll, doch es vorzieht, mit einer mysteriösen Adligen zu fliehen und ein Leben in Freiheit und Sünde zu verbringen. Sie reisen Jahrzehnte durch die europäischen Metropolen. Und ziehen eine Spur der Gewalt hinter sich her.

Und von Alice, die im Jahr 2019 nach einem wilden One-Night-Stand mit höllischen Kopfschmerzen aufwacht und feststellt, dass sie eine seltsame Wunde am Hals hat. Und dass sie ein unstillbares Verlangen nach Blut entwickelt.

Drei Frauen, ein Fluch, viele Schatten

Bury Our Bones in the Midnight Soil erzählt die verflochtene Geschichte von Maria / Sabine, Charlotte und Alice. Drei Frauen aus verschiedenen Zeiten (1532, 1827, 2019), die durch Vampirismus, Sehnsucht, Identität und Schmerz miteinander verbunden sind. Maria wächst im 16. Jahrhundert in Spanien auf, träumt von Freiheit und wird durch Liebe, Macht und Verrat in ein dunkles Schicksal hineingezogen. Charlotte in London ringt mit gesellschaftlichen Normen und ihrer sexuellen Identität, während Alice in Boston mit plötzlicher Verwandlung, Trauma und dem Drang nach Vergessenem kämpft. Alle drei werden auf je eigene Weise mit dem Anspruch konfrontiert, was man ihnen abverlangt. Undwas sie selbst von sich fordern.

Schwab verwendet eine Struktur, in der die drei Zeitlinien abwechselnd erzählt werden; durch Rückblenden und Enthüllungen setzt sie Stück für Stück das Puzzle zusammen. Dabei zeigt sich, wie Hunger — nicht nur der nach Blut, sondern nach Liebe, Freiheit, Anerkennung — das zentrale Motiv bildet. Der Fluch, das Monstersein, das Anderssein ist hier kaum metaphorisch. Diese Frauen sind sichtbar gecastet in eine Rolle, und manche versuchen, ihr zu entkommen.

Atmosphäre, Stil und moralische Komplexität

Was Schwab besonders gelingt, ist zu zeigen, wie sich Moral über die Zeiten hinweg verschiebt. Was in einer Epoche als Verrat gilt, wird in einer anderen zur Tat der Selbstbehauptung. Die Figuren sind nicht Schwarzweiß, sie sind oft ambivalent, manchmal unzuverlässig in ihren eigenen Wahrnehmungen. Schwab zwingt den Leser, nicht nur mitzufühlen, sondern auch zu hinterfragen: Wer wird hier verurteilt? Und zu recht oder unrecht?

Der Stil ist dicht, atmosphärisch und oft poetisch, mit vielen Beschreibungen, die nicht bloß schmückendes Beiwerk sind, sondern innere Zustände reflektieren. Einsamkeit, Verzweiflung, Verlangen. Man spürt oft die Schwere der Jahrhunderte, die Erinnerung an vergangene Fehler, und wie diese auf die Gegenwart wirken. Manche Passagen brauchen Geduld – der Rhythmus schwankt, erzählt ruhiger, ausschweifender in historischen Zeitsprüngen, konzentrierter in modernen Abschnitten.

Die Autorin scheut sich nicht, Gewalt, Verlust, innere Konflikte offen zu thematisieren. Gleichzeitig wird Vampirismus nicht als bloße Horrorszene, sondern als Metapher für Isolation, Anderssein und die Kosten ewigen Lebens verwendet. Queerness ist nicht nur Teil der romantischen Spannung, sondern eng verflochten mit Selbstfindung, Scham, gesellschaftlichen Schranken und dem Wunsch nach Zugehörigkeit.

Fazit

Bury Our Bones in the Midnight Soil ist ein mutiges Buch. Intensiv, poetisch, unbequem. Wer sich auf Schwabs Stil einlässt, wird belohnt mit einer Geschichte, die lange nachhallt — über Liebe, Schmerz, das Anderssein und über die Entscheidung, ob man sein eigenes Monster sein will oder nicht. Ein Roman, der zeigt, dass Freiheit und Identität oft teuer erkauft sind — aber dass das Leuchten am Ende diese Kosten wert sein kann.