Die Gamescom 2026 ist nun vorbei und die Eindrücke sind immer noch stark vertreten. Es war wieder einmal sehr schön, wenn auch voll. Trotzdem habe ich es dieses Jahr geschafft das ein oder andere Spiel vorab anzuzocken. Ohne lange warten zu müssen. Das heißt natürlich, dass es keiner der großen Titel ist. Aber interessant sind sie trotzdem alle.
Hier also die Spiele, die ich anzocken konnte mal in einer genaueren Vorstellung.

Ermittlungsarbeit statt Geschichtsunterricht

Auf der Gamescom habe ich SOKO 1977 zum ersten Mal selbst angespielt. Und war überrascht, wie schnell mich das Szenario gepackt hat. Statt Geschichte einfach nachzuerzählen, setzt das Spiel auf Deduktion. Hinweise müssen miteinander verknüpft, Verdächtige eingeschätzt und Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden. Dabei fühlt man sich tatsächlich wie die Leitung einer Sonderkommission, die ständig zwischen verschiedenen Interessen abwägen muss.

Besonders spannend fand ich das 1970er-Jahre-Setting. Die Atmosphäre wirkt ernst und angespannt, ohne dabei wie ein klassisches Lernspiel daherzukommen. Genau das ist meiner Meinung nach eine der größten Stärken von SOKO 1977. Historische und politische Themen werden nicht einfach präsentiert, sondern über das Gameplay erfahrbar gemacht. Das passt zum Ansatz der bpb, politische Bildung mit Unterhaltung zu verbinden.

Interessant ist außerdem, dass nicht jede Entscheidung eindeutig richtig oder falsch erscheint. Zwischen Sicherheit und Freiheit entstehen Situationen, in denen man sich fragen muss, wie weit staatliche Maßnahmen gehen dürfen. Auch Medien und Öffentlichkeit erhöhen den Druck auf die eigene Arbeit.

Mein kurzer Gamescom-Eindruck. SOKO 1977 hat das Potenzial, ein ungewöhnliches Serious Game zu werden, das sich nicht wie Unterricht anfühlt. Die Mischung aus Ermittlungsarbeit, Strategie und historischen Konflikten macht neugierig auf die Vollversion. Gerade weil mein Anspielzeitraum nur kurz war, bleibt für mich die Frage offen, wie abwechslungsreich die Fälle langfristig ausfallen. Der geplante Release ist für Januar 2027 vorgesehen und das Spiel wird kostenlos sein. Also ab damit auf eure Wunschlisten.

Zeitreise mit biblischem Twist

Ebenfalls wurde Gate Zero zum ersten Mal selbst angespielt. Und der erste Eindruck war vor allem eines. Ungewöhnlich. Das Spiel verbindet ein dystopisches Zukunftsszenario mit der Welt des ersten Jahrhunderts und lässt mich als Max durch das antike Israel reisen. Die Idee, biblische Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern spielerisch selbst zu erleben, sorgt sofort für Neugier.

Besonders aufgefallen ist mir die Atmosphäre. In der Demo befanden wir uns in alten Tempeln würde ich mal sagen. Alles wirkt mystisch und die Wölfe die mich angegriffen haben, sahen auch nicht so aus, wie wir sie heute wohl kennen. Darüber hinaus testet die Demo alles aus, was es an Spielmechaniken gibt. Dank der Hilfe der netten Leute vor Ort, war es auch gar nicht so schwer die kleineren Rätsel zu lösen.

Auch die Zeitreise ist mehr als nur ein erzählerischer Kniff. Max stammt aus einer dystopischen Zukunft, in der ein autoritäres Regime Informationen kontrolliert und Geschichte manipuliert. Im antiken Israel soll er herausfinden, was tatsächlich passiert ist. Dadurch bekommt das Spiel eine interessante Ebene: Es geht nicht nur ums Überleben und Erkunden, sondern auch um die Frage, wem man glauben kann.

Mein kurzer Anspiel-Eindruck auf der Gamescom war deshalb positiv. Besonders spannend finde ich den Versuch, biblische Geschichte mit bekannten Spielelementen wie Schleichen, Rätseln, Kämpfen und Dialogen zu verbinden. Ob diese Mischung über ein längeres Spiel hinweg funktioniert, muss die fertige Version zeigen. Nach der Demo bleibt aber definitiv wirklich Interesse zurück.

Gate Zero richtet sich damit nicht ausschließlich an gläubige Spieler, sondern könnte auch für alle interessant sein, die Lust auf ein ungewöhnliches Abenteuer mit historischem Hintergrund haben.

Märchen, Mord und jede Menge Noir

The Wolf among us Remastered war definitiv ein Highlight dieses Jahr und ich verstehe, warum die Reihe immer noch beliebt ist. Als Bigby Wolf, dem großen bösen Wolf und Sheriff von Fabletown, ermittelt man in einem brutalen Mordfall. Das klingt zunächst nach klassischem Krimi, bekommt durch die märchenhaften Figuren aber eine ungewöhnliche und düstere Note.

Besonders gut funktioniert die Atmosphäre. Fabletown wirkt wie eine Mischung aus Großstadt, Märchenwelt und klassischem Noir-Krimi. Dunkle Straßen, Neonlicht und zwielichtige Charaktere erzeugen eine Stimmung, die sofort neugierig auf die Geschichte macht. Gleichzeitig zeigt die überarbeitete Version deutlich mehr Details und eine modernere Präsentation. Dazu passt auch der Artstyle im Comicbuch-Stil sehr gut.

Im Mittelpunkt stehen allerdings nicht spektakuläre Kämpfe, sondern Entscheidungen. Gespräche führen, Verdächtige befragen und die richtige Reaktion im passenden Moment wählen. Genau daraus entsteht die Spannung. Dabei wird schnell deutlich, dass Bigby nicht einfach nur Gut und Böse voneinander trennen kann. Viele Situationen bleiben moralisch grauzone, und genau das macht die Ermittlungen interessant.

Das Remaster scheint vor allem eine gute Gelegenheit zu sein, den Klassiker einer neuen Generation zugänglich zu machen, ohne seine ursprüngliche Stärke zu verlieren: das Erzählen einer packenden Geschichte. Besonders gespannt bin ich darauf, wie sich die verbesserte Technik auf die ikonische Optik auswirkt und ob die Neon-Noir-Stimmung dadurch noch stärker zur Geltung kommt.

Wer storylastige Adventures und ungewöhnliche Märchenwelten mag, sollte The Wolf among us definitiv im Auge behalten.

Magische Auszeit statt harter Überlebenskampf

Witchspire steht ja schon länger auf meiner Wunschliste. Daher war ich recht froh, hier einmal in die Fantasy-Welt schauen zu dürfen. Zwar steckt unter der hübschen Fantasy-Oberfläche ein Survival-Spiel mit Kämpfen, Crafting und Erkundung, doch für mich stand beim Anspielen vor allem die gemütliche Seite im Vordergrund.

Schon die Welt lädt dazu ein, einfach loszuziehen und sich umzusehen. Zwischen schwebenden Landschaften, magischen Kreaturen und verwunschenen Orten wirkt Witchspire bunt und freundlich, ohne dabei völlig harmlos zu sein. Besonders schön fand ich den Gedanken, sich nach einem Ausflug wieder in sein eigenes kleines Zuhause zurückzuziehen und dort weiterzubauen.

Genau dieser Cozy-Faktor macht für mich den Reiz aus. Ressourcen sammeln, die eigene Zuflucht gestalten, Pflanzen anbauen oder einfach mit den kleinen magischen Begleitern unterwegs sein. Witchspire gibt einem viele Möglichkeiten, sich auch mal treiben zu lassen. Die sogenannten Familiars sind dabei nicht nur niedliche Haustiere, sondern können einen auch beim Erkunden, Kämpfen und im eigenen Heiligtum unterstützen.

Natürlich darf auch Magie nicht fehlen. Statt sich mühsam durch eine typische Survival-Welt zu grinden, werden viele Aufgaben mit Zaubern gelöst. Das verleiht dem Sammeln und Bauen eine angenehm verspielte Note. Wer möchte, kann außerdem gemeinsam mit Freunden eine Zuflucht aufbauen und die Welt erkunden.

Witchspire fühlt sich nach einem Spiel an, bei dem man sich wunderbar verlieren kann. Es verbindet Survival-Elemente mit einer warmen, märchenhaften Atmosphäre und könnte damit genau das richtige Spiel für entspannte Abende werden. Besonders gespannt bin ich darauf, wie gemütlich sich diese Welt langfristig anfühlt.

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