Die Ältern ist keine laute Komödie und schon gar kein Horrorfilm, sondern eine fein beobachtete Familienkomödie, die ihren Humor aus Nähe, Wiedererkennung und leisen Konflikten zieht. Im Mittelpunkt steht Hannes, ein erfolgreicher Autor, der sich selbst gern als Mittelpunkt seiner Familie sieht. Doch sein perfektes Familienleben beginnt zu bröckeln, als berufliche Rückschläge und private Spannungen zusammenkommen. Die Bestseller bleiben aus, die Anerkennung schwindet. Und plötzlich ist nichts mehr so stabil, wie es einmal schien.

Im Büro bei seinem Agenten Markus (Thomas Loibl): Hannes (Sebastian Bezzel) muss sich mit einigen Veränderungen anfreunden.

Wenn das vermeintlich perfekte Leben Risse bekommt

Der Film erzählt diese Krise mit viel Feingefühl und ohne überzeichnete Figuren. Statt großer Gags setzt er auf Situationskomik, die aus alltäglichen Momenten entsteht. Gut gemeinte Ratschläge, falsches Timing und das ständige Gefühl, gebraucht werden zu wollen. Genau darin liegt der Reiz von Die Ältern: Die Geschichte fühlt sich vertraut an, fast unangenehm ehrlich. Zuschauerinnen und Zuschauer erkennen eigene Erfahrungen wieder. Als Eltern, Partner oder Kinder.

Dabei zeigt der Film sehr genau, wie innerfamiliäre Spannungen entstehen, ohne dass jemand bewusst verletzen will. Hannes’ Bedürfnis nach Kontrolle kollidiert mit dem Wunsch seiner Frau Sara nach Eigenständigkeit. Die Kinder reagieren mit Distanz und Ironie. Niemand ist eindeutig im Recht, niemand eindeutig im Unrecht. Diese Grauzonen machen den Film lebendig und glaubwürdig.

Das Abi in der Tasche: Nick (Philip Müller) mit seiner Schwester Carla (Kya-Celina Barucki) und Mutter Sara (Anna Schudt).

Rollenbilder, Midlife-Crisis und neue Freiheit

Als Sara beschließt, sich eine Auszeit zu nehmen und gemeinsam mit Tochter Carla eine eigene WG zu gründen, gerät Hannes endgültig ins Straucheln. Was als organisatorische Veränderung beginnt, wird schnell zu einer emotionalen Herausforderung. Hannes wird mit einer klassischen Midlife-Crisis konfrontiert. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr gebraucht werde? Was bleibt von meiner Identität, wenn meine Rolle als Familienmanager wegfällt?

Der Film behandelt diese Fragen mit viel Wärme und Humor. Statt Selbstmitleid entwickelt sich bei Hannes langsam ein Prozess des Umdenkens. Er muss lernen, Verantwortung abzugeben, Nähe neu zu definieren und sich selbst nicht über alles andere zu stellen. Dieses Loslassen fällt ihm schwer, wirkt aber nie lächerlich. Gerade weil der Film seine Figur ernst nimmt, funktioniert die emotionale Entwicklung so gut.

Auch Sara wird nicht idealisiert. Ihre Entscheidung für einen Neuanfang ist mutig, aber nicht frei von Unsicherheit. Die Ältern zeigt, dass persönliche Freiheit immer auch Konsequenzen hat. Für einen selbst und für andere. Die Stärke des Films liegt darin, dass er diese Konflikte nicht zuspitzt, sondern ruhig nebeneinander stehen lässt. Dadurch entsteht Raum für Humor, Nachdenklichkeit und echte Nähe.

Fazit: Humorvoll, nahbar und überraschend ehrlich

Die Ältern ist eine warmherzige Komödie, die ohne Klamauk auskommt und gerade deshalb überzeugt. Der Film erzählt von Identitätskrisen, familiären Veränderungen und der Erkenntnis, dass Kontrolle nicht gleich Nähe bedeutet. Mit leisem Humor und viel Herz zeigt er, dass Familie kein statisches Konstrukt ist, sondern ein ständiger Aushandlungsprozess.

Wer eine intelligente, lebensnahe Geschichte sucht, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregt, wird hier fündig. Die Ältern ist ein Film über das Erwachsenwerden – nicht der Kinder, sondern der Eltern.